Durch die Propagierung eines Ethnopluralismus versucht die sog „Neue Rechte“ zu vermitteln, dass man das nach Martin Sellner “chauvinistische Rassebild” der von ihnen sog. alten Rechten, überwunden hat. Ich möchte im Folgenden skizzieren, warum diese Selbstinszenierung als nichtrassistische „patriotische“ Bewegung der inhärenten Logik des Ethnopluralismus widerspricht und dieser viel mehr eine Wiederbelebung der ideologischen Grundlagen, der Blut und Boden Ideologie des Nationalsozialismus ist.

Als Ethnie im Sinne des Ethnopluralismus verstehen, deren Apologeten autochthon gewachsene Völker, die in einem bestimmten Gebiet bzw. einem bestimmten Land leben. Dabei werden ausgehend von der lebenden Bevölkerung materielle und immaterielle Kulturmerkmale imaginiert, die dann definitorisch als Charakteristika für die in einem Gebiet lebende Bevölkerung projiziert werden. Dabei wird das Gebiet in dem diese Charakteristika auftreten als Land und das Ende des Verbreitungsgebietes als Grenze der Ethnie verstanden. Im Zuge der Entstehung der Nationalstaaten wurde das Prinzip im Endeffekt retrospektiv umgekehrt, sodass die Bevölkerung innerhalb einer im Zuge der Herausbildung von Nationalstaaten entstandene Grenzziehung als im oben genannten Sinne homogene, autochthone Ethnie verstanden wird.

Verkauft die “Neue Rechte” den Ethnopluralismus als ein starres, gegenwärtiges Konzept, wo sie das “gleichberechtigte Nebeneinander” verschiedener Ethnien in dem ihnen zuzuordnenden Lebensraum propagieren, widerspricht dem der eigene angelegte Maßstab der homogenen, autochthonen Bevölkerung. Dieser Definition, im Sinne des Ethnopluralismus, ist eine zeitliche Tiefe inhärent, die schon rein logisch das auf die Gegenwart bezogene Konzept ad absurdum führt. Zeichnet sich eine gegenwärtige Ethnie durch bestimmte Kulturmerkmale aus, und ist diese im Sinne des biologistischen Evolutionismus einer autochthonen Ethnie homogen, muss es möglich sein, die Ethnie über ihre kulturellen Merkmale auch in der zeitlichen Tiefe zurückzuverfolgen. Traten also Kulturmerkmale, die mit dem historischen Wachsen einer Ethnie verbunden werden in einem Gebiet auf, welches heute nicht mehr von dieser sog. Ethnie bewohnt wird, tritt ein eklatanter Widerspruch zu den propagierten definitorischen Voraussetzungen auf und lässt es offen diesen Raum auch heute als Lebensraum der Ethnie zu verstehen.

Nun ist der Ethnopluralismus kein neues Konzept, als welcher er gerne zur Absetzung von der sog. “Alten Rechten” proklamiert wird. Er geht auf Konzepte des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts zurück, die sich nicht zufällig, gerade auch im Zuge der Nationalstaatwerdung in Deutschland herausbildeten. Ausgangspunkt in der philologischen, historischen und archäologischen Forschung, aber auch in der gesellschaftlichen Rezeption war die Frage die indoeuropäische bzw. indogermanische Sprachfamilie mit der als völkisch verstandenen Ethnie der Germanen zu verknüpfen.

Auf dieses Konzept baute der Nationalsozialismus seine Blut und Boden Ideologie auf, indem sie zum Ziel hatte, den über Kulturmerkmale in die Vergangenheit imaginierten Raum des “Deutschen bzw. germanischen Volkes” zurückzuerobern, oder wie es die Identitären ausdrücken würden, die Reconquista zu vollstrecken.

Die zeitliche Tiefe des Ethnopluralismus lässt sich nicht nur in die Vergangenheit reproduzieren, sondern auch in die Gegenwart. Dabei muss noch einmal betont werden, dass die derzeitigen Grenzen, wie aufgezeigt, der Definition des Ethnopluralismus nicht gerecht werden. Nach der Definition des Ethnopluralismus bestimmen die Kulturmerkmale der Ethnie und ihre Verbreitung die “Grenzen” des “Lebensraumes” des Volkes. Werden des Weiteren die Voraussetzung des, so verstandenen, ethnisch homogenen Volkes beibehalten, steht auch eine Ausbreitung des “Lebensraumes” der Ethnie dem Konzept des Ethnopluralismus nicht entgegen.

Nicht anders dürfen auch wir also Aussagen von Björn Höcke auffassen, der von den eingeengten Lebensräumen des deutschen Volkes faselt. Aus diesen Gründen ist es wichtig entschlossen gegen diese eher harmlos daherkommenden bzw. harmlos verpackten Ideen und Konzepte aus dem 19. und 20. Jh. aufzubegehren und uns ihnen entgegenzustellen.

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One thought on “Zum Verhältnis des Ethnopluralismus und der Blut- und Boden-Ideologie des NS

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